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Martina Aschrafian:
Auf arabischen Pferden durch Persien – eine Liebeserklärung

Seit jeher passionierte Liebhaberin, Reiterin und Züchterin des arabischen Pferdes, sowie seit über 30 Jahren ebenso leidenschaftlich mit dem Iran aufs Engste  verbunden, sattelfest auch in persischer Sprache und Kultur sind beide Obsessionen auf einem Wanderritt über 400 km durch den südwestlichen Iran  im Mai 2010 eine fruchtbare Synthese  eingegangen. Diese Reise war - anders als alle vorherigen in dieses Land - in besonderem Maße einzigartig, was vielleicht etwas mit der durch unsere sog. Zivilisation   verschütteten, und dennoch tief in uns verwurzelten Sehnsucht nach dem wahren und echten Leben zu tun hat, befreit von allem Überflüssigen und reduziert auf das Notwendige - Kultur in ihrer archaischen Form, Ihrem Wesenskern. So etwas ist niemals einfach zu konsumieren, weil es keine Passivität, kein sich berieseln lassen gibt, nur eigenes Mit-Erleben.

So ist mir auf dieser Reise die wirkliche tiefe Bedeutung des alten persischen Sprichworts „Bedun-e rang gandj nemischewad bord ", was soviel bedeutet wie „Ohne Anstrengung  wird kein Schatz gehoben" bewußt geworden . Aber von Beginn an, bevor ich das Pferd vom Schweife her aufzäume.


Im April hatte ich Katharina Ghalavand im Iran kennengelernt. Katharina ist Deutsche, Pferdewirtschaftsmeisterin und vor 23 Jahren mit ihrem Ehemann, Dr. Amir Ghalavand, der einer alten Großgrundbesitzerfamilie entstammt, nach dessen Studium der Agrarwissenschaften  in den Iran gezogen. Sie hat sich die Zucht der persischen Vollblutaraber zur Lebensaufgabe gemacht. Dazu gehört für sie auch ihre aktive Mithilfe bei der Erstellung des persischen Stutbuchs - in der Nachfolge der großen alten Dame der persischen  Vollblut Araberzucht, Mary Gharagozlou, die in den 70er Jahren die Anerkennung der persischen VA bei der WAHO erreichte - das Organisieren von Veranstaltungen rund um das persisch-arabische Pferd, insbesondere von Distanzritten und eben auch die Organisation von Wanderritten im Iran. Außerdem begann sie, selbst  Vollblutaraber  persischer Provenienz zu züchten.
Was unter  Züchtern des arabischen Vollbluts kaum bekannt ist  – auch weil darüber schlichtweg nirgendwo berichtet wird - ist, dass es im Iran eine von der WAHO anerkannte – asile – Vollblutaraberzucht mit Stutbuch im Iran gibt.

Nun lud Katharina mich also bei einem ersten Ausritt in die Ausläufer des Elbors-Gebirges ein, an einem 8-tägigen Ritt durch Lorestan, im Südwesten Irans gelegen, teilzunehmen. Die so typische persische Gastfreundschaft der Ghalavands gab den Ausschlag .So saß ich also 3 Wochen nach meiner Rückkehr aus dem Iran schon wieder in der Iran Air –Maschine Richtung Tehran, diesmal mit Reitsachen und Schlafsack im Gepäck. Die Anfahrt von Tehran zur Farm in Lorestan und von dort weiter nach Pol-e-Dochtar nahm einen ganzen Tag in Anspruch. Dort warteten bereits die Pferde in der gerade untergehenden Abendsonne auf uns. Welch ein Anblick, der jedem, der ein Herz hat, dieses vor Freude überlaufen läßt. Nirgendwo zuvor sah ich  eine solche  Weite und Größe des Landes, Erhabenheit der Formen in ihrer   Schlichtheit und der Farben dieses Himmels aus orange und violett. Diese Gegend ist historisch so unglaublich interessant, weil hier die mehrtausendjährige Geschichte des Iran  und seiner uralten Kultur förmlich in der Luft liegt.

Die Pferde waren an langen Leinen angepflockt; so ist es möglich, den Fuchshengst, "Suren“, stammend aus einer rein persischen Mutter “ und dem Hengst "Mobarak“ aus Dr. H. Nagels Zucht in Deutschland, ohne Probleme mit den anderen Pferden zusammenzuhalten.

Suren
Suren

Noch mit von der Partie waren “Dashan“, ein rein persischer Wallach, "Chazsal", eine fast rein persische Schimmelstute, "Apachee", eine Araber-Mix Scheckenstute, und "Jalayer“ eine feine, zierliche Fuchsstute. 

Dashan
Dashan

Pferde
Chazsal und Apachee

 

Jalayer
Im Vordergrund die feine Fuchsstute Jalayer

Nur fünf Pferde dieses Mal, bis zu acht können normalerweise teilnehmen. Wir aßen in der letzten Dämmerung noch unser Kabab vom Feuer und verschwanden dann  in unsere Zelte, müde aber gespannt auf den kommendenTag.

Abenstimmung
Erster Abend in Pole Dochtar

Nie habe ich in Deutschland so tief, so fest und so gut geschlafen wie in diesern acht Nächten. Die Pferde, die Natur, die Landschaft, die Menschen einfach alles ist anders, als in unserer überdrehten konsum- und streßüberfüllten Welt. Nur die Pferde, die Natur und wir – ein einzigartiges Erlebnis!

Früh am Morgen des 9. Mai brechen wir auf  entlang des letzten Gebirgszuges, der "Kialon“,  der das Zagrosgebirge von den Ebenen des südlichen Iran, der Provinz Chuzistan, trennt.

Zwei Jeeps mit Zelten, Pferdefutter und Lebensmitteln fuhren die befahrbare Strecke und stießen, wie fast jeden Tag, erst am abendlichen Lagerplatz wieder auf unsere Reitergruppe.
Unsere Begleiter: Amir, Katharinas Mann, verantwortlich für die gesamte Logistik, Yussef Ansari vom Katastrophenschutz des Roten Halbmond, ausgestattet mit Medizin, zwei Hunden und Gewehr, so dass für die Sicherheit von Mensch und Tier gesorgt war. Nur Mohammad als Chefkoch und sein Assistent Ali sorgten für das leibliche Wohl und für die Abendunterhaltung – persischen und lorischen Volksliedern mit Trommelbegleitung auf Wasserkanistern - life!

Die Pferde wurden bestens versorgt von Katayoun, Katharinas Tochter, die in Wien Pferdewissenschaften studiert und Shahab, der aus einer alten persischen Pferdezüchterfamilie stammt, im Sattel sitzt, als sei er in diesen hineingeboren und über jenes feine natürliche Gespür für Pferde verfügt, das man entweder hat oder nicht – erwerben kann dies niemand.

In diesen acht Tagen ritten wir eine Route, die seit Jahrtausenden von den Nomaden Lorestans auf ihrem Weg von den Winterquartieren im Süden zu ihren Sommerquartieren in den Bergen des Zagros genutzt wird. Teilweise ist diese Route identisch mit jenen Strecken, die schon von den Achämaniden Königen des antiken Persien auf den Reisen von Persepolis nach Hamadan benutzt wurden.

Menschen und Pferde hatten etwa 400 km mit Höhen bis nahezu 3000 m zu bewältigen. Es ging über Berge und durch Täler, durch Schluchten und Flüsse, über Geröll und Felsen. Trittsicher wie Gemsen, unermüdlich und von excellentem Charakter überwanden die Pferde auch die schwierigsten Wegstrecken. Unglaublich, was mit diesen arabischen Pferden persischer Abstammung möglich ist.

An diesem ersten Tag waren  60 km zu schaffen; es ist sehr warm, der Oleander an den Gestaden der Flüsse steht in voller Blüte – ein schöner Gegensatz zum dunklen Grün der Steineichen und dem hellen Gestein des Kialon-Gebirgszuges, der wie eine Mauer zu unserer Rechten aufragt.

Rast
Rast unter der Steineiche

Mittags grasten die Pferde geduldig, während wir Reiter ein Bad in einem der Flüsse nehmen konnten, um uns so für die nächsten Stunden zu erfrischen. Danach tauchte wer mochte, Hemd und Kopftücher in den Fluß, um selbige sofort quietschnaß wieder überzuziehen – wie herrlich und erfrischend. Durch die starken Regenfälle im Frühjahr war der letzte Streckenabschnitt des Tages schwer zu erkennen, denn der  Weg war mit Geröll bedeckt, so dass wir den nächsten Nomadenstamm baten, uns den Weg nach Ghalle Sar Gol , dem anvisierten Rastplatz für die Nacht zu weisen. Alle kennen hier die Ghalavands; Amir ist ein direkter Nachkomme des letzten großen Khans dieser Gegend Lorestans.

Selbstverständlich wurden wir dort erst einmal bewirtet mit Joghurtmilch (Dugh), selbstgebackenem frischem Brot, selbstgemachter Butter, und natürlich Tee, Obst und Süßigkeiten – eine kulinarische Offenbarung. Auf diese Weise dauert die Wegbefragung gut eine Stunde bis einige Stuten von der Weide geholt werden, denn es ist Ehrensache, uns bis zu unserem Lager bei der "Burg über den Blumen“, das bedeutet Ghalle Sar Gol nämlich, zu begleiten.

Nach weiteren zwei Stunden erreichten wir müde aber glücklich gegen 19.00 Uhr das Lager. Von der Burg war nicht mehr viel zu sehen, aber man spürt die geschichtsträchtige Atmosphäre dieses Platzes. Unter den Nomaden entsteht eine heftige Diskussion darüber, wessen Stute rossiger ist, um sie von unserem Hengst, Suren, decken zu lassen. Nachdem diesmal nur ein Hengst dabei ist, einigt man sich darauf, die eine Stute Abends und die andere am nächsten Morgen dem Hengst zuzuführen natürlich ohne die hierfür übliche Decktaxe von umgerechnet 1000,- Euro zahlen zu müssen. Nach einem vorzüglichen Abendessen am Lagerfeuer gehen wir  bald in unsere Zelte, denn es sollte am nächsten Morgen zeitig losgehen.

Ritt

Ritten wir am ersten Tag noch vorwiegend in den Ebenen, so wurde es nun schon deutlich bergiger. Nach einem langen Tag im Sattel erreichten wir unterhalb des "Dalidj-Passes" den Rastplatz des zweiten Tages. Heute gab es gegrilltes Hühnchen und ein leckeres persisches Gericht mit Pflaumen und Hackfleisch. Danach sitzen wir noch lange gemeinsam um das Feuer begleitet von alten persischen und lorischen Weisen, gesungen von unseren beiden Köchen. Ein schöner Ausklang dieses ereignisreichen Tages.

Am dritten Tag, dem 11. Mai, müssen wir erst einmal den Dalidj-Paß überqueren, über den schon vor mehr als 2500 Jahren die Perserkönige mit ihrer Entourage aus den Winterquartieren Zentralpersiens in ihre Sommerpaläste nach Susa, das heutige Shush zogen.

Djadli-Pass
Weg zum Dalidj-Paß

Es geht zu Fuß, das Pferd an der Hand, hinauf auf den Paß. Was für ein Weg ist doch diese uralte vieltausendjährige, mit Granitbrocken "gepflasterte“ Straße ohne weiteres erkennbar unter dem aufgeplatzten Asphalt. Im Schritt führen wir also unsere Pferde über den steilen Paß, gelegentlich überholt von schleichenden LKW oder Minibussen, aus denen heraus wir eifrig fotografiert werden. Ein Minibus schafft den Paß nicht und muss anhalten. Heraus strömt eine Gruppe junger Mädchen, wohl Schülerinnen, und trabt fröhlich schwatzend hinter dem Minibus her. Natürlich werden wir voller Neugierde befragt woher wir kommen und wohin wir gehen und von allen Seiten per Handy fotografiert. Es wird gelacht und geschwatzt und so vergeht der Weg nach oben viel schneller.

Nach einer kurzen Rast geht es weiter hoch in die Berge teilweise durch extrem schwieriges Gelände ohne Straße oder Weg. Die Leistungsfähigkeit unserer Pferde, die auch an diesem dritten Tag auf  diesem extrem schwierigen Weg durch Gestrüpp, Geröll, Gestein und Fels nicht schlappmachten, war bewundernswert.

Steine-und-Geroell
Weiter ohne Straße und Weg

 

Über den Fluß

Am Ende des Tages kampieren wir an einem Fluß. Endlich duschen und Haare waschen nach zwei Tagen „Katzenwäsche“. Ebenso  wie das Essen genieße ich das Bad im Fluß, das von ganz anderer Intensität ist, als das Duschen oder Baden im heimischen Badezimmer. Vielleicht vermögen  wir erst in Zeiten des Mangels die ganze Intensität des Lebens zu spüren und zu genießen. Vielleicht ist dies das  Gefühl von Glück, nach dem wir ewig auf der Suche sind und es doch in unserer Wohlstandsgesellschaft nicht finden, dabei liegt es so nah!

Am Abend sitzen wir wieder um unser Feuer, auf dem zunächst mit unglaublicher Kunstfertigekeit das Essen für unser Grüppchen, immerhin 10 - 12 Menschen zubereitet wird. Es wird gesungen und musiziert. Bevor ich in mein Zelt schlüpfe, fällt mein Blick auf den unglaublich klaren Sternenhimmel und ich sehe die Silhouette der Pferde gegen das Firmament, höre ihr zufriedenes Schnauben – Suren unmittelbar vor meinem Zelt, Suren, er ist das Letzte, das ich abends sehe und das Erste, das ich am Morgen wahrnehme: Diesen rotgoldenen Hengst in der aufgehenden Sonne durch das Gras hindurch; ich vermeine den Pulsschlag des Universums zu spüren.

Mittwoch, der 12. Mai , der vierte Tag – und in der Tat erreichen wir KapKan schon am frühen Nachmittag. Wir besichtigen die Höhlen von Kapkan hoch oben in einer Felswand, wo die Menschen schon in prähistorischen  Zeiten gelebt haben. Früh erreichten wir unseren Rastplatz für die Nacht. Das war auch gut so, denn es begann zu regnen. Schnell wurden die Pferde mit Regendecken eingedeckt und wir mit Regen-Reitmänteln. Als es dann wieder aufklarte, verbrachten wir den restlichen Abend unter einem leuchtenden Sternenhimmel am Lagerfeuer mit frisch gegrillten Forellen.

Donnerstag, der 13. Mai, Himmelfahrt in Deutschland; wir brechen nach dem Frühstück auf. Angekündigt war eine schwierige Strecke, die uns erst über einen Pass und dann durch eine Schlucht, entlang an einem Bergbach, auf die andere Seite der "Hashtad Palu", 80-Gipfel-Bergkette, bringen sollte. Was dann aber folgte, hätte ich einem Pferd nicht zugetraut.

Schlucht

Schlucht

Schlucht

Schlucht

Wir ritten auf  Wegen, die so steil und so voller Felsen und Steine waren, dass wir absteigen und  neben dem Pferd von Fels zu Fels hüpfen müssen. Wer nicht ganz so gut zu Fuß war, konnte sein Pferd einem Begleiter übergebe. Dann öffnet sich vor uns ein wunderschönes grünes Tal, in welches sich der kleine Bach ergießt, zu dem wir parallel über den Berg gelaufen sind.

Ende der Schlucht
Am Ende der Schlucht...

Grünes Tal
...das grüne Tal

Dort atmen wir erst einmal tief durch und halten eine kurze Rast. Dann müssen wir aber schon weiter, um noch vor Einbruch der Dunkelheit am Lagerplatz anzukommen. Trotz dieser Anstrengung machen alle Pferde einen munteren und frischen Eindruck.

Pferde und Hunde

Es ist spürbar, dass wir weit in das Zagros-Gebirge hineingeritten sein müssen, vorbei die Hitze der Ebene; stattdessen ist es nun wohltemperiert. Die Flüsse und Seen sind kälter, zu kalt zum baden, die Landschaft grüner, Wiesenblumen blühen, aber es wird auch steiler und steiniger. Manchmal verschwinden die Wege im nirgendwo.

Freitag, der 14. Mai, der sechste Tag, ein Erholungstag. Nach nur vier Stunden Ritt entlang den "Haschtad Palu“, den 80 Buckelbergen, rasten wir an einem Fluß; der Clanchef dieser Region beehrte uns mit seinem Besuch und lud uns zu einem Gegenbesuch bei sich zu Hause ein. Am Nachmittag ging es ohne Pferde auf eine Wanderung zu dem Warg-Wasserfall und auf dem Rückweg besuchten wir ihn und seine Familie zum Tee, wobei sich eine nette Unterhaltung entspann.

Samstag, der 15 Mai: Ich stelle ich mich in den eiskalten Fluß, kopfüber tauche ich meinen Kopf in das Wasser. Schlagartig bin ich wach; schnell trocknet und wärmt die enorme Kraft der Morgensonne. Nach dem Frühstück reiten wir zunächst durch die "lorische Schweiz", eine wunderschöne Blumen- und Kräuterwelt, beeindruckende liebliche Landschaft, um dann in immer schrofferen und kargeren Fels aufzusteigen. Diesen letzten Abend verbringen wir am Fuße des "Sefid Kuh“, des weißen Berges, ein 3000er, der am nächsten Tag überwunden werden muss. Unser letztes Lagerfeuer entzünden wir unter zwei wilden Birnenbäumen, vor uns eine schroffe Felslandschaft, die sich "Chersaloo“, Bärennest, nennt. Angeblich gibt es dort wirklich noch Bären, gesehen haben wir keine. Neben uns den Berg mit einigen großen Höhlen in Reichweite, für die es sich durchaus lohnt, sich noch einmal anzustrengen und hinter  uns die Gebirgslandschaft, die wir in den letzten Tagen überwunden haben – und über uns das sternenübersäte Firmament, dem wir inzwischen um einiges nähergerückt sind.

Die schwierigste und längste Strecke erwartete uns an diesem, unserem letzten Reittag, Sonntag, den 16. Mai. War ich bis dahin  schon erstaunt über die hervorragende Kondition und Gebirgstauglichkeit unserer Pferde, so verblüffte mich einmal mehr die Trittsicherheit und Nervenstärke, mit der die Pferde beim Aufstieg auf 3000 m gemsengleich über Felsen und Geröll balancierten, ohne Hufprobleme, ohne Verletzung und ohne müde zu werden.

Suren

Gegen Mittag ereichten wir den Gipfel  oberhalb der Schneegrenze, den wir zu überqueren hatten. In einem  Schmelzwassersee spiegelte sich die Mittagssonne, einige Nomaden tränkten dort ihre Schafe und Ziegen. Wir teilten unser Brot, Käse, frische Datteln und Trockenobst, dazu Wasser. Selten habe ich eine Mahlzeit mit derartigem Genuss verspeist. Nun kam die letzte Etappe, auf der wir noch einmal in einem Nomadenzelt willkommen geheißen wurden. Auch dort wurden wir erst einmal in das Zelt gebeten zu Tee und Dugh. Großes Hallo, eine bekannte Familie, die auch zum Stamm der Ghalavands gehört. Neuigkeiten werden ausgetauscht, Probleme besprochen. Dann geht es weiter, die Pferde ahnen schon den Stall und sind entsprechend ungeduldig.

Am späten Nachmittag,  gegen 17.30 Uhr, erreichten wir die Farm von Katharina und Amir unweit der Stadt Khorramabad. Mit Blick auf  das weite Tal um Azna Saghvand, im Hintergrund die mächtigen Berge des Zagros, liegen die Gebäude der Farm, von karger, asketischer Schönheit, wie ich es liebe, umgeben von Feldern und Obstbäumen, überall blühendem Oleander und eine Unzahl intensiv duftender Rosen. Hier wird übrigens das Pferdefutter für die ca. dreißig Pferde – hauptsächlich Luzerne und Gerste – ökologisch angebaut.

Tür zur Farm
Tür zur Farm

Als Araberzüchterin und Reiterin habe ich dennoch etwas grundlegend Neues erfahren: Intelligenz und Gelassenheit in allen Situationen, Leichtfüßigkeit und Gangvermögen gepaart mit Geschicklichkeit und Trittsicherheit selbst auf schwierigsten Wegstrecken, sowie ein enormer Leistungswille verbunden mit unermüdlicher Ausdauer machen den persischen Vollblutaraber zu einem Pferd, von dem man bei uns nur täumen kann. Der asile persische Vollblutaraber ist größer und kräftiger als unser heimischer VA, dafür weniger extrem im Typ, aber von einer herben archaischen Schönheit, fern des Überzüchteten, eher Reit- und Gebrauchs- als Schaupferd .

Der wahre Zauber dieses Wanderrittes lässt sich nicht beschreiben und nicht erklären, sondern nur erleben. Einfaches Leben, ursprüngliche Natur, Harmonie in der Verbindung von Mensch und Tier. So packe ich schon in Gedanken meinen Koffer für die nächste Reise, die uns von der kleinen Farm der Ghalavands in  Kordan, nahe Tehran im Norden des Iran, zur mystischen Assassinen-Burg "Alamut“, tief im Elburs-Gebirge, uns bekannt durch die Sage des „Alten vom Berg“, führen wird.

 

Martina Aschrafian