Hermann
Marsian:
Die Zuchtstuten-Prämienschau 2008 im Zuchtbezirk Schleswig-Holstein
und Hamburg
Eine Prämierung mit Überraschungen
Unsere neue Zuchtbuchordnung nennt es korrekt eine "Zuchtstutenschau mit der Möglichkeit der Prämierung". Aber nicht nur unsere Zuchtbuchordnung ist neu, auch die "location" der 6. Prämienschau unseres Zuchtbezirkes am Sonntag, den 31. August 2008 war es. Fanden die ersten 5 Prämierungen bei Frau von Kameke in der Preußenhalle auf Gut Grabau statt, so wechselten wir nach dem Umzug von Frau von Kameke nunmehr nach Osterbyholz bei Eckernförde in das Gestüt von Frau Petrikat und Herrn Neumann.

Unsere Gastgeberin, Frau Petrikat, mit einer ihrer Stuten, Foto: Simone Wiggers

Reithalle in Osterbyholz, Foto: Simone Wiggers
Diese herrliche,
gepflegte und großzügige Anlage bietet alles, was das Herz
begehrt, inklusive einer neuen Halle, die liebevoll für unsere
Veranstaltung hergerichtet war. Unser herzlicher Dank geht an unsere
Gastgeber.
Unter den leider wenigen Zuschauern, die sich auch von dem gleichzeitig
stattfindenden Islandpferdeturnier nicht in die Halle locken ließen,
begrüßten wir auch den stellvertretenden Vorsitzenden des
ZSAA, Herrn Udo Weiß.
Was ist hinsichtlich der Stutenprämierung neu an unserer Zuchtbuchordnung?
Nun, eigentlich nichts, außer, dass sie jetzt erstmals präzise
formuliert, was schon immer Praxis war. Unter anderem steht dort nun
geschrieben, dass nur Stuten prämiert werden, die in den beiden
Kriterien "Rasse- und Geschlechtstyp" sowie "Gesamteindruck
und Entwicklung" mindestens die Note 8 und in den übrigen
Kriterien mindestens die Note 5 erreicht haben. Bei Stuten mit besonderer
nachgewiesener sportlicher Leistung kann die Note 7 in Rasse- und Geschlechtstyp
ausreichend sein; hierüber entscheidet der Zuchtleiter.

Anglo-Araberring, Foto: Simone Wiggers
Bedenkt man, dass wir mit Abstand der kleinste Zuchtbezirk unseres Verbandes
sind, so kann man das Meldeergebnis von 19 Stuten allein für die
Prämienschau nur als bemerkenswert bezeichnen. Fallen in anderen
Zuchtbezirken mangels Nennungen Zuchtschauen aus, so wächst bei
uns die Beteiligung. Woran das liegt? Nun, ich denke, wir vertreten
glaubhaft die Interessen aller in unserem Verband gezüchteten arabischen
Rassen. Und so war es eben doch keine Überraschung, dass von den
19 gemeldeten Stuten 9 den Rassen Anglo-Araber und Arabisch Partbred/Typ
Deutsches Reitpferd angehörten. Eine faustdicke Überraschung
aber war sicherlich das Prämierungsergebnis! Von den 8 (!) prämierten
Stuten gehörten 6 (!) diesen beiden Rassen an. Nur 2 Arabische
Vollblutstuten erhielten die begehrte Prämierung.

Die Richter: Barbara Julius,
Diether von Kleist und Holger Ismer, Foto: Simone Wiggers
Das Richterteam bestehend aus Barbara Julius, Holger Ismer und Diether
von Kleist machte sich seine Entscheidungen nicht leicht. Könnte
man bei oberflächlicher Betrachtung der Ergebnisse bei den anderen
Rassegruppen eine Prämierungsinflation vermuten, so bewies das
Ergebnis bei den Vollblutaraberstuten, dass der Anspruch hoch und gerecht
war. Bei matten, langen Rücken und gravierenden Fundamentmängeln
kann man keine Prämierung aussprechen.

Frau Wachter mit
Wanda Bint Wasama, Foto: Simone Wiggers
Dass sich die Besitzer
einiger junger Stuten, ich denke an die wunderschöne Wanda Bint
Wasama von Frau Wachter oder an die sportliche Esperanza v. Ludwigsburg
von Kurt-Jürgen Carl, berechtigte Hoffnung machen können,
in einigen Jahren, wenn sich die Stuten ausgereifter präsentieren,
doch noch eine Prämierung zu ergattern, das machte unser Zuchtleiter,
Herr Diether von Kleist, deutlich.
Könnte man vermuten, dass in unserem kleinen Zuchtbezirk nach fünf
Prämienschauen die Masse fehlt, um noch genügend prämierungswürdige
Stuten aufzutreiben und das deshalb das Prämierungsergebnis bei
den Vollblutarabern zurückging, so bewiesen die Züchter der
anderen Rassegruppen, dass das bei Ihnen nicht der Fall ist. Hoffnung
weckt die Tatsache, dass von den 5 gemeldeten jüngeren Vollblutaraberstuten
immerhin zwei prämiert und eine dritte, nämlich Wanda Bint
Wasama wie erwähnt "zurückgestellt" wurde. Es wachsen
also offenbar einige gute Stuten nach. Es dürften nur mehr sein.
Wo sind die anderen geblieben? Außerhalb des Landes verkauft?
In den höchsten Tönen und mit viel innerer Zustimmung des
Schreibers dieser Zeilen lobte Herr von Kleist die Gruppe der Angloaraberstuten.
Und so war es wiederum keine Überraschung, dass aus diesem Kreis
die diesjährige Siegerstute ausgewählt wurde.

Corinna Knaack-Lindemann
mit der Siegerstute Venus, Foto: Simone
Wiggers
Es ist dies die
9-jährige Venus von dem Englischen Vollblüter Zarewitsch aus
der Valencia von Bajar. Züchter dieser Stute ist der unvergessene
Christian Thoroe, Besitzerin ist Corinna Knaack-Lindemann. Diese beeindruckende
Stute erhielt in zwei von insgesamt 7 Kriterien, u. a. im Gesamteindruck,
die Note 9 und in 4 Kriterien die Note 8. Das ist überragend! Venus
ist der Prototyp eines sportlich und arabisch geprägten Leistungspferdes.
Als Fußnote zur Geschichte dieser Stute sei angemerkt, dass Aufzüchter
dieser Stute unser langjähriger Zuchtleiter und Geschäftsführer,
Klaus Beste ist, der damit einmal mehr sein gutes Auge für Qualitätspferde
unter Beweis gestellt hat. Zu Wünschen ist dieser Stute, dass sie
in Anpaarung mit geeigneten, sportlich geprüften Edelhengsten die
Linie ihrer ebenfalls hoch dekorierten Mutter Valencia in der Zucht
fortsetzt. Unser Glückwunsch geht an die Besitzerin, Frau Knaack-Lindemann,
die sich im Übrigen über eine weitere, selbstgezogene Prämienstute,
die erst dreijährige Vollblutaraberstute Camar Qajar v. Promotion
freuen durfte.
Und noch etwas verdient der besonderen Erwähnung: Das Ehepaar Gantzckow
war Züchter aller drei prämierten Arabischen Partbreds. Und
in der Abstammung aller drei Stuten findet sich ihr Hengst Decoration
als Vater (zweimal) oder Großvater (einmal) wieder.
Hier nun die Prämienstuten
in der Übersicht:
| Name | Rasse | Farbe | geb. | Vater | Mutter | Muttervater | Züchter | Besitzer |
| Venus | AA | Schw.br. | 1999 | Zarewitsch xx | Valencia | Bajar | Ch. Thoroe | C. Knaack-Lindemann |
| Shani
5 (ex Hirtin) |
AA | Schw.br. | 1998 | Emetyt | Hispaniola | Pick Wick | ZG Hildebrandt | A. + M. Feldmeier |
| Carina | AA | Sch. | 1992 | Bouquet | Caressine | Bonjour Bajar | S. Schneider | S. Schneider |
| Shari | AA | Rappe | 2000 | Bouquet | Shirley | Hill Dancer | Ma. Hansen | S. Hesse |
| Dana | AH | Dkl.br. | 2004 | Decoration | Anika | Lorenz | K. + A. Gantzckow | K. + A. Gantzckow |
| Bo | AH | Dkl.br. | 2001 | Emetyt | Bonny | Decoration | K. + A. Gantzckow | K. + A. Gantzckow |
| Despina d'Luna | AH | Rappe | 2000 | Decoration | Remidios | Reichsgraf | K. + A. Gantzckow | A. + M. Feldmeier |
| Camar Qajari | OX | F | 2005 | Promotion | Qualified | Barich de Washoe | C. Knaack-Lindemann | C. Knaack-Lindemann |
| Metallica | OX | Sch | 2005 | Khidar | Menina | Menes | Reinhard Sax | B. Schwarz |
Vor Beginn der
Prämierung wurden immerhin 11 Stuten in die jeweiligen Zuchtbücher
eingetragen. Außerdem fanden drei Jungstutenklassen statt, in
denen eine Arabisch Partbred- und sieben Arabische Vollblutstuten gezeigt,
von den Richtern rangiert und von Herrn von Kleist kommentiert wurden.
Diese Klassen waren hochwillkommene Gelegenheiten sowohl für die
Besitzer als auch für die Zuschauer, von erfahrenen Richtern eine
Beurteilung über die gezeigten Jungstuten zu erhalten; ein Seminar
kann nicht anschaulicher sein. Dabei betonte Herr von Kleist, dass es
sich angesichts des jugendlichen Alters der Stuten bei der Beurteilung
immer nur um eine Momentaufnahme handeln konnte und die Stuten mit fortschreitender
Entwicklung sicher an Ausdruck gewinnen würden.
Was bleibt als Fazit dieser Veranstaltung zu ziehen? Unser Zuchtbezirk
blüht und gedeiht. Er züchtet und beherbergt hervorragend
sportliche, arabisch-typvolle Pferde, wobei die Vollblutaraberzüchter
sich anstrengen müssen, nicht hinter das Niveau der anderen Rassegruppen
zurückzufallen. Bedauerlich war das mangelnde Zuschauerinteresse;
selbst von unseren eigenen Mitgliedern waren nur wenige erschienen.
Immerhin handelt es sich um die wichtigste Zuchtveranstaltung des Jahres
in unserem Zuchtbezirk. Das mangelnde Interesse hat auch etwas mit fehlender
Solidarität und Verbundenheit zu tun. Darauf machte mich unser
auswärtiger Gast und Richter, Holger Ismer, aufmerksam. Recht hat
der Mann. Daran müssen wir arbeiten.
Überlegen sollten wir auch, wie wir die inzwischen ansehnliche
Zahl von in unserem Zuchtbezirk prämierten Stuten einmal einem
größeren, züchterisch interessierten Publikum zeigen
könnten. Für die Sportpferdezüchter unseres Landes dürfte
das Qualitätsniveau eine Überraschung sein.
Ein Wermutstropfen muss leider noch erwähnt werden: Nicht eine
einzige Shagya-Stute wurde den Richtern vorgestellt.
Hermann Marsian