Hermann
Marsian:
Materialprüfung für Freizeitpferde beim Landesbreitensportturnier
in Bad Segerberg
Barbara Julius hatte uns alle über unsere Internetseite www.vzap-nord.de auf diese Prüfung hingewiesen und ich war gleich Feuer und Flamme, denn diese Prüfung war unseren vielseitig veranlagten Arabern wie auf den Leib geschnitten. Das Pferdestammbuch Schleswig-Holstein/Hamburg hatte diese Prüfung dankenswerter Weise ausgeschrieben und deren Vorsitzender, Herr Hans-Heinrich Stien, berichtet nun über den Ablauf der Prüfung auf der Internetseite des Verbandes (http://www.pferdestammbuch-sh.de/) unter Aktuelles.
Der Bericht ist lesenswert und ich kann seinen Ausführungen nur zustimmen. Insbesondere den Hinweis auf die Notwendigkeit einer guten Vorbereitung kann ich unterschreiben. Wir hatten zum Beispiel die Anforderungen an die ausgeschriebenen Gehorsamsaufgaben "Flattervorhang, Plane, Stillstehen, Absteigen, Hufe aufheben, wieder aufsteigen" unterschätzt. Ich glaube, dass kaum ein Pferd ohne Übung durch solch einen Flattervorhang marschiert.

Wir jedenfalls hatten es nicht geübt und prompt verweigerte Sharan unter Johanna hier seinen Dienst und sprang erst mit Ekelgesicht durch das Tor, als die Richter die Flatterbänder beiseite hielten.

Dafür ging er nach kurzem Zögern über die scheppernde Brücke und über die Plane und das war ihm doch hoch anzurechnen.


Dass er den kleinen Geländekurs mit Sprung zum Wasser bei schwieriger Linienführung und zweifacher Wasserdurchquerung und die kleine Dressuraufgabe souverän meisterte, war natürlich Ehrensache.

Und dass die Fremdreiterin,
auf Sharan sitzend, lauthals und etwas unüblich "toll"
in die Runde des ehrwürdigen Pagelplatzes rief und ihm eine "10"
gab, das hat uns natürlich erst recht gefreut.
Mir hat bei dieser Prüfung besonders die Kombination aus Wesenstest,
Rittigkeits- und Grundgangartenüberprüfung sowie vielseitig-sportlichem
Test gefallen. Für mich sagt ein Wesenstest alleine noch recht
wenig aus; den kann man am ehesten mit einer Schlaftablette auf vier
Beinen bestehen. Aber auch Leistungsfähigkeit ohne "klaren
Kopf" ist wertlos. Das haben wir bei unseren Pferden selbst erfahren.
Micky Mouse, ein arabisches Partbred, mit dem Johanna nach dem Umstieg
vom Pony auf Großpferd zunächst startete, war ein hoch veranlagtes
Pferd, aber schon den nervlichen Anforderungen an eine 1-Sterne-Vielseitigkeitsprüfung
nicht mehr gewachsen. Ganz anders ihr zweites Pferd Hill Dream, ein
Angloaraber. Er hat das Gemüt eines Kuschelbären und den Leistungswillen
eines Löwen. Ein wunderbares Pferd. Die Kombination aus den obigen
Kriterien ist es, was wir mit unseren Rassen züchten wollen und
müssen, um am Markt zu bestehen.
Natürlich hätten wir die Prüfung gerne gewonnen. Und
natürlich ist es schwer z. B. ein Fjordpferd und einen Araber unter
einen Hut zu bringen. Deshalb akzeptieren wir den dritten Platz, der
aus Johannas und Sharans Bemühungen letztlich heraussprang. Sämtliche
Deutsche Reitponys jedenfalls hat Sharan hinter sich gelassen. Bei einer
größeren Beteiligung könnte man vielleicht zwei Abteilungen
bilden, um die Wesensunterschiede zwischen kalt- und warmblütigen
Pferden aufzuheben. Auf jeden Fall aber möchte ich Sie alle animieren,
im nächsten Jahr mit Ihren jungen Pferden in dieser großartigen
Prüfung an den Start zu gehen. Gerade Wallache, für die die
ähnlich gelagerten Stutenprüfungen ja eigentlich nicht gedacht
sind, sind hier sehr gut aufgehoben. Für unsere Stuten- und Hengstleistungsprüfungen
rege ich an, solch einen Wesenstest in die Prüfungsanforderungen
aufzunehmen. Unsere Pferde sind ja, ob zu Recht oder Unrecht, als leicht
"spinnerig" verschrien. Da wäre eine schärfere Selektion
auf das Temperament sicherlich hilfreich.
Hermann Marsian