Hermann Marsian:
Trakehner
Verband vergibt Zuchtzulassung an drei Marbacher Vollblutaraberhengste
mit Schleswig-Holsteinischen Wurzeln
Gerade
komme ich vom Trakehner Schauabend in den Holstenhallen in Neumünster
zurück. Dort habe ich in Augenschein genommen, was mir schon am Donnerstag
bei der Hartplatzmusterung der Trakehner Köraspiranten zu Ohren gekommen
war: Der Trakehner Verband hat bei einer Sonderkörung in Petra Wilms
Gestüt Tasdorf den Vollblutaraberhengst Pamir (Penthagonn x Shams
El Inaza v. Ibrahim) und dessen zwei Söhne Dschehim (x Dschihan von
Nasrodin) und Said (x Sadana von Saher) die Zuchtzulassung erteilt.
Das schon einmal ist eine kleine Sensation und sicherlich zu einem nicht
geringen Teil der neuen Leiterin des Marbacher Gestüts, Dr. Astrid
von Velsen, zu danken, deren Vater lange Jahre Zuchtleiter des Trakehner
Verbandes war und die selbst viele Jahre freiberuflich für den Trakehner
Verband gearbeitet hat. Da liegt es nahe, die eine oder andere alte Verbindungen
spielen zu lassen. Für uns Araberleute ist die Ernennung von Dr.
von Velsen ohnehin ein Glücksfall nach langen Jahren eines eher als
Unverhältnis zu bezeichnenden Verhältnisses zu Marbach. So war
Frau von Velsen bereits Gast bei unserer diesjährigen Mitgliederversammlung
und sie besuchte auch unsere Hengstschau am letzten Wochenende in Aachen.
Für uns Norddeutsche aber ist diese Anerkennung des Pamirs und seiner
zwei in Marbach gezogenen Söhne erst recht aufregend. Denn Pamir
ist in Schleswig-Holstein, und zwar ganz in meiner Nachbarschaft, in Schipphorst
bei Neumünster, von Margeritha Hospowsky gezogen worden. Es war damals
eine echte Überraschung, als Dr. Gebhardt, der Vorgänger von
Frau von Velsen in Marbach, Pamir nach dessen dort absolvierter Hengstleistungsprüfung
für das Haupt- und Landgestüt ankaufte. Pamir war der erste
und ist bis jetzt der einzige von Privathand gezogene Vollblutaraberhengst,
den Marbach jemals angekauft hat. Ich erinnere mich noch gut, wie damals
alt eingesessene Züchter ob dieses Umstandes vor Neid erblassten
und Pamir schlecht zu reden versuchten. Unser Glückwunsch geht von
dieser Stelle an Familie Hospowsky, die lange Jahre mit großem Enthusiasmus
in ihrem damaligen Heim in Schipphorst Vollblutaraber gezüchtet hat.
Leider haben sie die Zucht inzwischen aufgegeben und sind auf den Hund
gekommen: Jetzt züchten sie Irish Setter!
Mich persönlich berührt diese Zuchtanerkennung des Pamir sehr,
denn immer wieder kreuzte Pamirs Mutter Shams El Inaza meinen Weg. Der
Sachkundige hat anhand ihres Namens längst erkannt, das Inaza im
Gestüt El Shams der Familie Wilhelm Hansen/v. Niebelschütz in
Delingsdorf bei Ahrensburg gezüchtet wurde. Als ich Inaza dort das
erste Mal erblickte, war ich völlig sprachlos. Nie zuvor und selten
danach habe ich eine derartige Arabische Schönheit erblickt. So angetan
war ich von ihr, dass ich wenige Tage später ihre Mutter Nazeema
kaufte, in der Hoffnung, eine weitere, ähnlich typvolle Tochter aus
ihr ziehen zu können. Das ging leider schief, Nazeema war alt und
wurde nie mehr tragend. Sie hat dann noch viele Jahre ihren Lebensabend
wohlbehütet bei unserer guten Freundin Ginni Bubert verbracht.
Als Familie Hospowsky vor zwei oder drei Jahren ihre Zucht auflösten,
vermittelte ich eine Tochter der Inaza von dem russischen Leistungsvererber
Kosmonaut an besagte Ginni Bubert. Ich konnte sie mit einiger Überredung
davon überzeugen, dass diese Enkelin ihrer geliebten, inzwischen
an Alterschwäche eingegangenen Nazeema auf sie gewartet hätte.
Sie hat diesen Entschluss nie bereut. Auch diese Inaza x Kosmonaut-Tochter
hatte immer wieder meinen Weg gekreuzt. Zur Fohlenmusterung kam Familie
Hospowsky seinerzeit auf unseren Hof und ich erinnere mich noch gut daran,
wie Wolfgang Kaspareit, eine bekante Größe in der Vielseitigkeitsszene,
den ich zu dem Musterungstermin eingeladen hatte, die gewaltige Galoppade
des Fohlens bewunderte. Einige Jahre später sprach ich mit Peter
Walser. Er hat in jungen Jahren in Marbach seine Bereiterlehre gemacht
und betreibt inzwischen einen Ausbildungsstall in Neumünster. Bei
diesem war die nunmehr vier oder fünfjährige Kosmonaut-Tochter
zur Ausbildung. Herr Walser, der als Lehrling Hadban Enzahi geritten hatte,
nunmehr aber fast ausschließlich mit Holsteiner Springpferden zu
tun hat, erzählte mir, dass die junge Stute wie ein Holsteiner spränge.
Als Familie Hospowsky einige Zeit danach die Stute einem talentierten
Junior zur Verfügung stellen wollte, um sie im Turniersport zu fördern,
machte ich dieses Angebot anlässlich einer Prämienschau in Grabau
öffentlich. Niemand zeigte Interesse. Immer wieder zeigt sich, dass
Araberzüchter zwar für sich selbst teure Zuchtpferde kaufen,
ihre Kinder aber lieber auf dicken Ponys versauern lassen, anstatt ihnen
ein geeignetes Reitpferd zur Verfügung zu stellen. So ist diese Stute
nun geliebtes Freizeitpferd bei unserer Freundin Ginni. Nächstes
Jahr soll sie zum ersten Mal gedeckt werden. Hoffentlich beweist die Besitzerin
bei der Wahl des Hengstes das nötige Fingerspitzengefühl und
Verantwortungsbewusstsein, damit die Schönheit und das Leistungspotential,
dass in dieser Familie steckt, erhalten bleibt. Eine weitere Inaza-Tochter
steht übrigens bei Frau Ashafrian in Heikendorf. Auch diese Stute
soll nächstes Jahr erstmalig gedeckt werden. Hoffen wir in beiden
Fällen das Beste.
Welches Potential in dieser Inaza und ihrer Nachzucht steckt, und damit komme ich (endlich) zurück auf meine Eingangsbemerkung, dass ich nämlich gerade vom Trakehner Schauabend zurückkomme, zeigte sich dort insbesondere in Gestalt des Pamir-Sohnes Dschehim, der unter einem ehrwürdigen, älteren Marbacher Obersattelmeisters Grand Prix-Lektionen zeigte. Als Fazit des letzten Wochenendes in Aachen bei der Hengstschau hatte ich für mich gezogen, dass zwar einige ordentliche Hengste unter den Vollblutarabern dabei waren, aber keiner, vor dem ich niederknien wollte. Dschehim aber ist so einer. Er ist ein Bild von einem edlen, großrahmigen, korrekten und ganggewaltigen Araber. Eine kluge und genaue Beobachterin der Szene bemerkte mir gegenüber heute: "Dschehim ist wirklich ein tolles Pferd, aber leider scheint er nur wenige Züchter zu beeindrucken. Stattdessen rennen alle zu Insh Allah". Letzterer ist der dieses Jahr dem Haupt- und Landgestüt Marbach von Prinzessin Alia von Jordanien zur Verfügung gestellte Hengst, der Berichten zufolge stark von Baden-württembergischen Züchtern frequentiert wurde. Womit bewiesen ist: Der Prophet gilt nichts im eigenen Land.
Unter diesem Link
können Sie Bilder von Pamir und seinem Sohn Dschehim anschauen:
www.arabervollblut.de
Ihr Hermann Marsian