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Hermann Marsian:
Turniererfahrungen sammeln - Gedanken im Herbst 2006

Ich habe als Zuchtbezirksvorsitzender von Schleswig-Holstein/Hamburg auf den vehement vorgetragenen Wunsch einiger Mitglieder hin meinen örtlichen, sehr aktiven Reitverein, die Reitsportgemeinschaft Groß Buchwald, dazu bringen können, für uns je einen E und A-Wettbewerb Dressur und Springen auszuschreiben. Diese Wettbewerbe waren vorbehalten bzw. offen für alle Rassegruppen unseres Verbandes. Auch die A-Prüfungen wurden letztendlich als Wettbewerbe ausgeschrieben, weil sich die Aufsicht führende Landeskommission für Pferdeleistungsprüfungen dagegen sperrte, die Prüfungen als Leistungsprüfungen zu akzeptieren. Dies hätte zur Folge gehabt, daß die Plazierungen mit der Vergabe von Ranglistenpunkten verbunden gewesen wären. Bei den kleinen Starterfeldern mit erfahrungsgemäß geringem Leistungsniveau wären dies zu "billig" erworbene Punkte gewesen. Ich kann dieser Argumentation folgen.

Der Wunsch der Mitglieder nach solchen Prüfungen wurde damit begründet, daß sich dann Anfänger nicht der Konkurrenz der Turnierreiter stellen müßten und die Hemmschwellen gesenkt würden. Nur wer nicht kam waren genau diese Reiter. Gemeldet wurden ganze 5 Pferde arabischer Abstammung, die mehrheitlich ohnehin auf diesem Turnier starteten und unsere Prüfungen gerne "mitnahmen".
Was ist also zu tun? Zunächst einmal: Weitermachen, weiterhin solche Prüfungen anbieten, auch wenn das frustrierend ist, in der Hoffnung, das spricht sich rum und nächstes Mal kommen mehr. Dabei ist das "Anhängen" an FN-Turniere die einzig finanzierbare Form, da stimme ich Sabine K. ausdrücklich noch einmal zu. Die Frage ist nur, wie lange machen die Veranstalter das mit, wenn die Starterfelder in diesen Prüfungen so klein bleiben?

Weiterhin: Ein Umdenken tut not unter vielen Reitern arabischer Pferde. Sie reiten einfach zu schlecht, so einfach ist das. Ihr Können reicht vielleicht für einen Zotteltrab im Gelände, aber für mehr auch nicht. Wenn sie dann bei Turnieren nicht reüssieren, wird das all zu gerne den angeblichen Vorbehalten der Richter gegenüber arabischen Pferden zugeschrieben. Ich halte das für eine Mär und sie widerspricht auch meinen eigenen Erfahrungen. Die Richter heutzutage sind in den niedrigeren Klassen mit soviel verschiedenen Pferderassen konfrontiert, die sich noch sehr viel weniger für eine klassische Dressur oder ein geschmeidiges Springen eignen, daß ein eleganter Vollblutaraber für sie schon oft ein Labsal wäre. Also: Besseres Reiten tut not. Reiten zu erlernen ist mühselig, erfordert Ausdauer, Fleiß und Selbstdisziplin und…kostet Geld. Dies alles aufzubringen sind viele Reiter arabischer Pferde einfach nicht bereit. Ein weiterer Grund ist, daß Eltern von auf Arabern reitenden Kindern nicht bewußt ist, daß sie selbst gefordert sind. Gegebenenfalls muß dann eben das selbst gezüchtete Pferd erst einmal bei einem Profi in die (kostspielige) Ausbildung gegeben werden, bevor das eigene Kind gefahrlos darauf reiten kann. Oder wenn die eigene Zucht nichts Reitbares hergibt (das soll es ja geben), dann muß man eben dazukaufen. Wozu halten wir Eltern denn kostspielige Pferde, wenn wir diese Liebe zum Araber nicht in geeigneter Form an unsere Kinder weitergeben? Ich stimme Herrn v. Kleist vollkommen zu, daß wir mehr für die Jugendarbeit tun müssen, aber das geht zunächst einmal nur über den Einsatz und den Geldbeutel der Eltern. Sie müssen ihre Kinder gegebenenfalls mit den Pferden regelmäßig, und das heißt mindestens einmal wöchentlich, sommers wie winters, zu guten Trainern fahren, am Wochenende eben nicht auf die nächste "Show" fahren, sondern mit ihren Kindern und Arabern auf das nächstgelegene Dorfturnier.
Und noch ein probates Mittel gibt es, das eigene Reiten oder das seiner Kinder zu verbessern: Sich dem örtlichen Reitverein anschließen, raus aus der Selbstisolation, die Angebote der Reitvereine/Reitställe annehmen. Da wird so viel tolle Jugendarbeit geleistet.
Woher ich das alles weiß? Meine Eltern haben es so mit mir gemacht und ich mit meinen Kindern. Und es hat offensichtlich funktioniert. Eine 2-Generationen-Erfahrung ist schwer zu widerlegen.

Hermann Marsian