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Hermann Marsian:
Ein Wochenende auf Gut Ludwigsburg

Eigentlich heißt es ja, man solle neu entdeckte, sich in einem paradiesischen Urzustand befindliche Urlaubsziele nicht der Öffentlichkeit verraten, um sie vor einem zerstörerischen Ansturm von Touristen zu bewahren. Aber das ist doch eine recht egoistische Einstellung. Deshalb möchte ich von einer Unternehmung berichten, die der Zuchtbezirk Schleswig-Holstein/Hamburg seit nunmehr drei Jahren jeweils im Herbst auf dem Gut Ludwigsburg bei Eckernförde veranstaltet hat.

Schloss

Auf der Internetseite von Gut Ludwigsburg heißt es: "Die Gesamtanlage von Ludwigsburg ist eine der großartigsten barocken Schöpfungen des Herzogtums (Schleswig). Auf der Grundlage einer mittelalterlichen Wasserburg erhebt sich mitten im doppelten Hausgraben das stattliche dreigeschossige Herrenhaus, eher ein Schloß zu nennen, von gewaltigem Walmdach überspannt, bis zum heutigen Tage nur durch zwei schmale Brücken mit dem Hof und mit dem Park verbunden."

Hier also betreibt Kurt-Jürgen Carl, vielen sicherlich auch als Vorstandsmitglied unseres Verbandes bekannt, neben der Landwirtschaft eine große Pferdezucht. Seit Jahrzehnten werden in der Familie neben Trakehnern auch Araber gezüchtet. Hauptbeschäler ist der bekannte Shagya-Hengst Bazar v. Bajar a.d. Sabrina I v. Radautz, einer der wichtigsten Bajar-Söhne überhaupt und natürlich vom Trakehner Verband und inzwischen auch vom Holsteiner und Hannoveraner Verband gekört.

Um das Herrenhaus und das Ensemble der um den großen Hofplatz gruppierten Nebengebäude sinnvoll zu nutzen und die immensen Unterhaltungskosten zu erwirtschaften, nimmt Familie Carl in gemütlich eingerichteten Ferienwohnungen und -zimmern Gäste auf, betreibt eine Reitschule, einen Hofladen, ein Hofcafé, verleiht Pferde, veranstaltet Familienfeste und vieles mehr. Aber Gut Ludwigsburg wäre nur halb so schön, läge es nicht auch in einer herrlichen Landschaft. Diese nennt sich Schwansen. Die Halbinsel Schwansen gehört zum schleswig-holsteinischen Landesteil Schleswig. Die Schlei, die längste aller Ostsee"förden", schlängelt sich dort von Schleimünde aus rund 40 km südwestlich bis zur Stadt Schleswig.


Reiter

Die Halbinsel ist eine leicht hügelige, abwechslungsreiche, immer wieder von Buchen-Eichen-Wäldern oder auch einsamen Erlenbrüchen und Knicks gegliederte Landschaft, die einen besonderen Reiz durch die lange Küstenlinie erhält. Das Gut Ludwigsburg bietet Reitern beste Möglichkeiten, auf langen, wassergebundenen und gepflegten Wirtschaftswegen fernab von störendem Verkehr lange Ausritte bis an die Ostseeküste zu machen.

Reiter an der Ostsee


Genau das war die Idee, als wir im Jahre 2004 zum erstenmal zusammen mit Herrn Carl ein "Wochenende auf Gut Ludwigsburg mit Übernachtung, Festessen und Ausritten" ausschrieben. Es kamen 15 Menschen mit oder ohne Pferd zusammen, die sich an einem Samstagmittag im Oktober einfanden und der Dinge harrten, die da kommen würden. Und nach gut 24 Stunden fuhren sie wieder nach Hause, restlos begeistert und fest entschlossen, im nächsten Jahr wiederzukommen. Und so werden es jedes Jahr mehr Menschen jeden Alters, die sich auf zwei langen Ausritten der Landschaft und der Pferde erfreuen.

Kutsche1

Nicht alle sitzen hoch zu Roß, einige begleiten die Reiter in dezentem Abstand mit der Kutsche, auf dessen Bock Herr Carl sen. sitzt, der es sich trotz seiner mehr als 85 Lenze nicht nehmen läßt, seine Gäste an beiden Tagen zu begleiten. Unverschämtes Glück haben wir immer wieder mit dem Wetter, und es ist stets eine Lust, die herbstliche Landschaft zu genießen.
An Pferden ist alles vertreten, was unser Verband zu bieten hat: Vom feinen, edlen Vollblutaraber über den kräftigeren Shagya bis zum Arabischen Halbblut ist immer alles dabei, und auch der eine oder andere Isländer oder Lusitano ist mit von der Partie.
Viel frische Luft macht hungrig, aber richtiger Hunger hat auf Gut Ludwigsburg keine Chance, um sich zu greifen, denn die Küche ist vorzüglich. Abends gibt es im Gewölbekeller des Herrenhauses am Kamin ein köstliches Festessen und natürlich viel Klatsch und Tratsch von Araberfan zu Araberfan. Und der Brunch im Hofcafé am Sonntag morgen nach dem zweiten Ausritt läßt auch den letzten Kalorienbewußten seine guten Vorsätze vergessen.
Die beigefügten Fotos sagen mehr über das Erlebte aus, als es viele Worte vermögen. Fest steht, daß wir auch im Jahr 2007 wieder auf Gut Ludwigsburg einfallen werden. Es können gerne noch ein paar Leute dazustoßen, aber, wie gesagt: Bitte nicht zu viele……...

Kutsche2

Hermann Marsian