Hermann Marsian:
Prämienstutenschau
im September 2006 - Glanzvoller Abschied von Gut Grabau

Fotos: Manuela Knappe
Die fünfte und leider letzte Prämienstutenschau in Grabau am Samstag, den 2. September 2006 war wieder eine schöne Veranstaltung. Wie nach den Erfahrungen der Vorjahre nicht anders zu erwarten war, hatte Frau v. Kameke und ihr Team alles wieder perfekt für die immerhin 50 genannten Pferde und ihre menschlichen Begleiter vorbereitet. Die Zuchtschau lief wie geschmiert über die Bühne. Mit nur einer halben Stunde Zeitüberschreitung wurden die geplanten Zeiten nahezu eingehalten. Nach den Rückmeldungen aus dem Kreis der Teilnehmer und Besucher waren alle mit dem Veranstaltungsverlauf zufrieden. Unser Dank gilt den zahlreichen Helfern, insbesondere auch unserem Nachwuchs, ohne deren Hilfe eine solche Veranstaltung nicht zu stemmen ist.



Was aber das wichtigste war, wir sahen wieder wunderbare arabische Pferde aus allen Rassegruppen. Es ist immer wieder eine schöne Erfahrung, welche Pferde-Schätze im Verborgenen blühen und welche qualitätsvollen arabischen Reitpferde aus unserer Zucht hervorgehen. Diejenigen, die sich ihr Bild bzw. Vorurteil vom Arabischen Pferd ausschließlich auf glamourösen Schauen bilden, könnten es auf Veranstaltungen wie in Grabau korrigieren. Leider aber war der Zuschauerandrang wieder nur mäßig. Selbst aus dem Kreis unserer Mitglieder habe ich viele Gesichter vermisst. Trotz der Versendung von Pressemitteilungen etc. scheint die Resonanz in der regionalen Presse nur gering gewesen zu sein. Daran müssen wir dringend arbeiten. Deshalb wäre ich hocherfreut, wenn sich aus unserem Mitgliederkreis vielleicht jemand mit Erfahrungen in der PR-Arbeit zur ehrenamtlichen Mitarbeit melden würde.
Unser Richterkollegium
war mit den Herren Manfred Hein, Holger Ismer und Diether v. Kleist
hochkarätig und kompetent besetzt. Die Drei haben ihre nicht leichte
Aufgabe nach meinem Empfinden gerecht und nachvollziehbar gelöst.
Sicherlich wurden einige Erwartungen nicht erfüllt und es gab enttäuschte
Gesichter. Man kann aber nicht häufig genug betonen, daß
es sich bei Richterentscheidungen um Momentaufnahmen handelt und daß
Stuten, die dieses mal ohne die erhoffte Prämie nach Hause gehen
mußten, es gerne wieder versuchen dürfen. Ein gutes Beispiel
dafür ist die im Sport eingesetzte Angloaraberstute Tara von Herrn
Freudenberger, die es im zweiten Anlauf dieses Mal schaffte, mit einer
Prämie nach Hause zu fahren. Insbesondere jüngere Stuten,
die noch in der Entwicklung stehen, zeigen sich nach einigen Jahren
im Sport und/oder in der Zucht häufig sehr viel qualitätsvoller
als zu Beginn ihrer Karriere.
Erst recht Momentaufnahmen sind natürlich unsere Fohlenchampionate,
in denen jüngere einen klaren Vorteil gegenüber früh
geborene, in alle Himmelsrichtungen wachsende Fohlen haben. Deshalb
sollte man den Fohlenchampionaten auch keinen all zu großen Stellenwert
beimessen. Diese Championate sind allenfalls ein Gradmesser für
die Vererbungskraft von Vatertieren. Deshalb war es interessant, an
einem Platz gleich mehrere Fohlen von einigen Hengsten zu sehen. Unabhängig
davon wurden uns aber einige tolle Fohlen gezeigt.
Aus dem Kreis der Prämienstuten wurde, sozusagen als Erste unter
Gleichen, die Angloaraberstute Astoria v. Emetyt a. d. Arabella v. Matcho
mit dem Titel "Siegerstute der Prämienschau 2006" ausgezeichnet.
Die Richter entschieden sich nach einem direkten Vergleich für
die Sportlerin Astoria und gegen die wunderschöne Ansata Princessa.
Für alle, die die stärkere Ausrichtung unseres Verbandes auf
den Sport befürworten, war dies sicherlich eine weise Entscheidung.
Astoria, die seit diesem Jahr im Turniersport, insbesondere im Vielseitigkeitssport,
eingesetzt wird, wurde von ihrer ständigen Reiterin, Annika Dargel,
gekonnt vorgeführt und präsentierte sich in ihrer schwarzbraunen
Jacke wie aus dem Ei gepellt. Ihre sportliche Eleganz und ihre langen
Linien machen sie zu einem Musterbeispiel des Angloarabers. Mit ihrer
wertvollen Abstammung aus klassischen polnischen und französischen
Angloaraberlinien ist sie so ganz anders gezogen als die üblicherweise
in Schleswig-Holstein verwendeten Angloaraber mit Bajarblut. In Aachen
habe ich erst vor wenigen Tagen bei den Weltreiterspielen in der Vielseitigkeitsprüfung
einige Pferde dieses Typs unter ihren französischen und polnischen
Reitern zu Gesicht bekommen. Das waren alles Hingucker. Astorias Züchterin
und Besitzerin, Angelika Hildebrandt, gilt unser aller Glückwunsch,
um so mehr, als Astorias Halbbruder Monet von Mont Du Chantal Siegerhengstfohlen
wurde. Damit hat zum zweiten Male in Folge eine Angloaraberstute den
Siegerstutentitel gewonnen. Den Vollblutaraberzüchtern sollte zu
denken geben, daß sportbetonte Stuten ganz vorne stehen, obwohl
eine solche Vollblutaraberstute gestern in Grabau zu meinem leisen Bedauern
bei der Prämienvergabe leer ausging. Es handelt sich um meinen
heimlichen Liebling Nakida, eine in Tersk gezogene, im Besitz von Dr.
Antje Ziegs stehende Tochter des Drug, die 3 Jahre in Russland und Westeuropa
Rennen lief, dann 5 Fohlen das Leben schenkte und jetzt im Distanzsport
eingesetzt wird. Sie ist vielleicht etwas unscheinbar und klein, aber
sie ist typvoll, klar im Kopf, eine tolle Mutterstute und Sportlerin
durch und durch. Stuten wie Astoria und Nakida gehört die Zukunft,
davon bin ich überzeugt.
Wie eingangs erwähnt:
Mit dieser Prämienschau haben wir von unserem traditionellen Veranstaltungsort,
Gut Grabau und der Preußenhalle, einen - wie ich finde - glanzvollen
Abschied genommen. Das Anwesen wurde kürzlich verkauft und Frau
v. Kameke wird mit ihren Zuchtpferden nach Friedensthal bei Eckerförde
umziehen. Wir haben uns bei ihr mit einem Blumenstrauß für
ihre Mühen und für ihre Gastfreundschaft bedankt. Wir wünschen
ihr für die Zukunft alles Gute. Damit schließt eine der bedeutendsten
Zuchtstätten nach rund 40 Jahren seine Pforten. Nicht nur mir hing
bei meinen Dankesworten ein dicker Kloß im Hals. Während
meiner bisher dreißigjährigen Verbindung mit dem Arabischen
Pferd war Gut Grabau und die Familie v. Kameke immer ein Fixpunkt. Es
ist schwer zu akzeptieren, dass das jetzt hinsichtlich des Ortes ein
Ende haben soll. Aber es ist gut zu wissen, dass Frau v. Kameke das
Erbe ihrer Schwiegereltern an anderer Stelle fortführen und auch
eine der alten Stutenfamilien aus Marbacher Linien mit nach Friedensthal
nehmen wird.
Foto: Manuela Knappe
Meine Wehmut beim Verlassen der Preußenhalle wurde dadurch gemildert, dass ich beim Hinausgehen eine der großen alten Damen der deutschen Araberzucht persönlich kennen lernen durfte. Frau Jutta Hell, vielen nur noch aus alten Berichten über ihre glanzvollen Auftritte im Dressursattel auf dem selbstgezogenen Achmed v. Akif, geb. 1971, in Aachen bekannt, hatte uns still und heimlich in Begleitung ihrer Tochter mit ihrem Besuch beehrt. Sie äußerte sich im Gespräch sehr anerkennend über unsere Veranstaltung und die teilnehmenden Pferde.
Hermann Marsian